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Archiv für Mai 2010

Don’t Panic

Und dann trat Horst Köhler zurück. Eine Nachricht, die jeden überraschen aber niemanden interessieren sollte. Der Bundespräsident ist nämlich die Antithese zu Relevanz und Interesse – nicht als Mensch, sondern von Amts wegen. Denn genau das sind auch die Grenzen eines Einflusses auf Fragen von Bedeutung: Die Relevanz seiner Aussagen und das Interesse der Zuhörer, der heute viel herbeigeredeten “politischen Klasse”.

So liefert sein Rücktritt zwar eine schöne Abwechslung von dem nicht endenden Rummel um Stefan Raabs musikalische Totgeburt Lena Meyer-Landrut (siehe unten) und die durch andauerndes Verletzungspech zu Taten- und Erfolgslosigkeit verdammte Fußballnationalmannschaft, ist aber trotzdem nicht groß genug um das nicht existente Sommerloch zu stopfen, auch weil jeder, der aus dem Fenster in die stählernen Himmel über Deutschland guckt sieht, dass es nicht Sommer ist.

Wie so oft ist bei der Betrachtung eines Ereignisses weniger der tatsächliche Beschluss von Interesse als die Implikationen eben dessen. So kann es kein Zufall sein, dass Horst Köhler, ein Bundespräsident, der von Angela Merkel und Guido Westerwelle ins Amt gehievt wurde, genau in dem Moment das Handtuch wirft, wo deren Parteien den Untergang Rot-Grüns im Jahr 2005 ff. nachzustellen suchen.

Ob es dem sozialen Lager gelingt, den Moment zu ergreifen und die Selbstdemontage des bürgerlichen Lagers, deren jede These durch die fortwährende Finanzkrise widerlegt wurde für eine in Hamburg, Hessen und NRW bereits verschlafene geistig-politische Wende im Land zu nutzen, das wird man erst bei der Konstituierung des westfälischen Landtags und der Wahl zum neuen Bundespräsidenten sehen.

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Traumnovelle

Arthur Schnitzlers Traumnovelle, ein Einblick in das Wien zwischen den Weltkriegen, wird getrübt von seinen literarischen Kinderkrankheiten. Der viel zu nah am Autor gehaltene Hauptcharakter gibt preis, welchen Geistes Kind die auf Sex reduzierten Liebeleien sind, von der einen er in die andere rutscht: Einem plumpen, selbst beweihräuchernden Wunschdenken. Dabei wird aus den sich aneinander reihenden Flirts niemals mehr als das: Eine kurze Verführung, bevor der Leser wieder dem wahnhaften Gedankengang des Doktors ausgesetzt ist.

Doch wäre das wahrscheinlich zu vergeben, wenn die häufigen Andeutungen, das Geschehen sei nur ein Traum, nicht wären. So fühlt man sich fortwährend dazu aufgerufen, das Werk mit Ignoranz zu strafen. Schnitzler selber kann dafür herzlich wenig: Als er die Traumnovelle schrieb, war der Traum noch weitgehend unerforscht und in der Literatur nicht mit dem “All Just A Dream”-Ende konnotiert. Heutzutage jedoch ist der Traum in Buch, Film und Fernsehen verpönt, wird als billig betrachtet. Zurecht. Doch somit dient die Traumnovelle als abschreckendes Beispiel.

Ebenso gilt, dass der Schnitzler nicht gut gealtert ist. Die Vor- und Darstellungen von Intimität im Interbellum mögen in der prüden Gesellschaft der Zwanziger des zwanzigsten Jahrhunderts skandalös gewesen sein, wenn sie auch den Nerv der Leser getroffen haben könnten, die sich noch nicht von den durch Kirche und Obrigkeitsstaat diktierten moralischen Zwängen der vergangenen Jahrhunderte frei machen konnten, sind im durch und durch sexualisierten Jahr 2010 jedoch nur eins: Peinlich.

Dabei ist das der Traumnovelle eigentlich zu Grunde liegende Thema heute genauso akut wie 1925/26: Der unglückliche Kompromiss zwischen Ehe und Verlangen. Das eine durch das andere quasi ausgeschlossen retten sich alle Beteiligten in fantastische Eskapaden, die letztendlich aber nur zur sexuellen Frustration führen.

Beim Leser auch.

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Lenaismus

Es ist das erste Mal nach Adolf Hitler, dass es dem deutschen Volk gelungen ist, ein Phänomen von Grund aufzubauen und mit ihm Europa zu erobern. Folgt nun wie damals die Implosion und die Dekonstruktion? Eins sollte dem aufmerksamen, aber skeptischen Beobachter schon klar sein: Den vielen Erwartungen, den vielen Projektionen, denen Lena ausgesetzt ist, wird sie nicht standhalten können.

Denn wer glaubt nicht alles, sich mit Lena identifizieren zu können oder zu wollen, nachdem er wochenlang ihrer Darbietung an den Eurovision Song Contest, dem Auge des Sturms, der darum herum von den deutschen Medien inszeniert wurde, ausgesetzt war. Bei Titel, Thesen, Temperamente heißt es schon, Lena würde diese zarte, erst jüngst durch das Sommermärchen gesprossene, nur von Grünen und Linksradikalen angestocherte Pflanze deutschen nationalen Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls ausreißen und durch ihre eigene Marke ersetzen. Selbst das Feuilleton, das mediale Bürgertum, lässt sich dazu herab, der organisierten Unterschicht, einer durch Casting und Stefan Raab aus der grauen Menge der deutschen Bevölkerung auserwählten Kandidatin Aufmerksamkeit, gar Respekt zu zollen: Denn eigentlich ist Lena, diese angehende Bildungsbürgerin, ja eine von ihnen.

Doch wieviel Substanz ist hinter der Façade? Rein objektiv betrachtet sprach vor dem Song Contest nichts dafür, dass “Deutschland” am Ende der Nacht den türkischen Zweitplatzierten 76 Punkte hinter sich lassen würde. Ausgerechnet Lena, die Kate Nash zu kanalisieren scheint, doch mit ihrem ganz eigenen, mörderischen Akzent und ihrer Bühnenshow, dieser Mischung aus Magenkrampf und schwangerer Wehe, und das ganze Paket auch noch als ihren Charme verkauft, soll drei Jahrzehnte deutschen Ausschlusses von der Chefetage paneuropäischer Musik rückgängig gemacht haben?

Nein. Hinter ihrem Triumph steht eine diffuse Masse von außer-musikalischen Faktoren, für die sie nicht verantwortlich ist. Zum einen war der Rest des Contests so ungefährlich wie eine Kompanie entwaffneter Bundeswehrsoldaten: Eine schier endlose Reihe von seichten Balladen, Sologesängen, begleitet von Gitarre oder Klavier, der andauernde Boybandfetischismus Großbritanniens und die Handvoll skurriler Osteuropäer haben kaum eine Gefahr für Lena dargestellt.

Zum anderen profitierte Lena von einem Wahlverfahren, dass den Wählerwillen zu 50% mit einer Jury aus Mediengranden ersetzte, die wohl von den eigenen Interessen statt von den künstlerischen Meriten geleitet waren. Und vielleicht ist es auch nicht zu verachten, dass so mancher Europäer im niemals endenden Krisenjahr 2008+2 den Deutschen ein wenig Honig um das Maul schmieren wollen könnte, um so zu garantierten, dass bei der nächsten Inkarnation der Währungskrise der Euro rollt. Denn auch diese Stimmen wurden laut, die nun bekundeten, dass Europa mehr sei als Krise.

Europa ist auch Lena.

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寧為太平犬,不做亂世人

Der April 2010 ist der erste Monat in dem ich versagt habe, einen Post auf meinen Blog zu setzen. Dafür möchte Ich mich entschuldigen, in Form eines neuen Posts.

“Aller guten Dinge sind drei” ist eigentlich ein Fluch, ähnlich wie das chinesische “Mögest du in interessanten Zeiten leben”. Beide kündigen die Ankunft besserer Zeiten an, aber die Gesetze der Natur und des Lebens diktieren, dass, am Ende, die Verzweiflung unausweichlich ist. Mein dritter Tag als ein Nichtraucher kann auf diese Art und Weise zusammengefasst werden. Ich begann, mich mental anders zu fühlen; permanent irritiert, ständig gereizt. Ich war das Pulverfass. Englisch sollte die Lunte sein. Das einzige was frustrierender ist als die fehlgeleiteten Meinungen meiner Lehrerin und Mitschüler zum Thema von Immi- und Integration sind ihre fehlgeleiteten Meinungen zum wissenschaftlichen Fortschritt.
Jedes Mal wenn ich mich in Englisch hinsetzte fühlte ich mich als würde ich einem Kongress der republikanischen Partei der USA beiwohnen, und Sarah Palin würde mich über die Gefahren genetischer Ingenieurskunst der Kryogenie und der grundlegenden Logik aufklären.

Meine Beziehung zu Frau Lienenkämper wurde, scherzhaft oder nicht, alten Ehepartnern ähnlich beschrieben. Um es in Worten auszudrücken, die meinem Niveau eher entsprechen, wir waren füreinander tsundere, mit sehr wenig -dere. Es ist ohnehin nicht Sie, mit der ich ein Problem habe, da ich schlau genug bin um anzunehmen, dass was sie sagt nicht ihre persönliche Meinung widerspiegelt sondern vielmehr die vorsichtig komponierte Choreographie die die Bürokraten in Münster, Düsseldorf und Berlin ihr als Lehrer eintrichtern.

Es sind die Schüler, die mich wirklich anpissen. Die anti-intellektuelle, unbeschwerte Sichtweise auf die Welt die sie in einem erfolglosen Versuch, mir das Maul zu verbieten, zischen, schnalzen, flüstern und schütteln lässt und ihre selbstgefällige Art, die sie annehmen wenn ich sie als die Schlampen und Huren entlarve, die sie da sind. Zu glauben, dass ich annahm, sie seien mehr als geistlose Fotzen besessen von Phallusobjekten, Süßigkeiten und Geld! Diese Leute machen die Mehrheit, die Normalität, nicht aus die Ausnahmen aus. Es gibt wenig, was einen schneller frauen- bzw. mädchenfeindlich macht als eine Stunde in einer Schule der westlichen Welt, in Klassen mehrheitlich voll mit oberflächlichen Nutten. Um der Menschheit kollektiven Verstandes’, der in der männlichen Unterspezies liegt, hoffe, denke und bete ich, dass es so ist.

Aber diese Episode war nur der Anfang meines persönlichen D-Days. Der nächste Schritt auf der Route nach Scheitern war die Wahl. Nicht die Landtagswahl in NRW am Sonntag und nicht die wahlen in Großbritannien, obwohl deren Ergebnis ebenfalls ein Grund für Ärger ist. Ungefähr ein Jahr bevor wir unser Abitur machen lässt uns die Adminstration wählen, worin wir unser Abitur machen werden, lang bevor wir zertifiziert wissen, worin unsere Stärken liegen und worin nicht. Die Hälfte der Tat ist bereits getan wenn man sich auf seine Leistungskurse einigt, eine fortgeschrittene Variante bereits vorher existierender Fächer, da diese unausweichlich Teil des Abiturs werden. Darüber hinaus gibt es zwei weitere Fächer auszuwählen.

Am Ende dieses Prozesses soll man zwei Leistungs- und sechs Grund-kurse, Sport einschließlich, haben, und wenn man kein ausgezeichneter Bastard ist so wie ich, wird man wahrscheinlich alle diese Fächer schriftlich haben, mit der offensichtlichen Ausnahme des Sports, bei einem Klausurpensum von cirka 30 Klausuren im Jahr. Der Prozess ist sovielen Regeln, Ausnahmen und erwünschten Ergebnissen unterworfen, dass am Ende niemand, nicht einmal die ambitioniertesten Schwuchteln unter Uns, was mit ihnen innerhalb eines Jahres geschehen würde.

Man brauchte keine Mystic Eyes of Death Perception um die um sich greifende Verwirrung und -zweiflung zu sehen die von den gepeinigten Massen um einen herum abgesondert wurde, obwohl ich mich nicht beschweren würde, dennoch welche zu haben. Die Wut der Menschen denen gegenüber, die sie bei ihren heldenhaften aber am Ende sinnlosen Versuchen, zu verstehen, was selbst die, die den zu verstehenden Inhalt lieferten, nicht verstanden, störten; Er war greifbar, luzid. Die Aufruhr von Gefühlen in den Menschen, der sich Jahr um Jahr abspielte, führte zu einem Hagel von Personen die sich in die wahrgenommene Wärme des Wochenendes und die starken Arme des Alkohols und all der sich in Zirkulation befindlichen Drogen schmissen.

Zumindest ist das, was ich in diesem Moment wahrgenommen und geglaubt habe.

// Aus dem: Englisches Original //

“Third time’s the charm” is actually a curse, much like the Chinese “May you live in interesting times”. Both herald the advent of good times, but the laws of nature and life dictate that ultimately, despair is inevitable. My third day as a non-smoker can be summarised like that. I was starting to feel different mentally; permanently irritated, always on edge. I was the powder keg. English should prove to be my fuse. The only thing more frustrating than the misguided opinions of my teacher and course on the issue of immi- and inte-gration were their even more misguided opinions of scientific progress. Every time I sat down for English I felt like I was visiting a Republican party convention in the American bible belt and was lectured on the dangers of genetic engineering, cryogenics and reason by Sarah Palin.

The relation between me and Mrs (?) Lienenkämper (sp?) has, jokingly or not, been described as a lovers’ spat. To put it into terms comforting to my (our?) sphere of culture, we were tsun-dere for each other, with very little dere-dere or the prospect of hate sex. I look up to wonder if I’m missing out in that aspect. Probably not. It’s not Mrs Lienenkämper I have a problem with, since I’m willing to suspend my disbelief and assume what she says does not reflect on her personal opinion but rather the carefully composed choreography imposed upon her by the bureaucrats in Münster, Düsseldorf and Berlin as a teacher.

It’s the students who really piss me off. The anti-intellectualist happy-go-lucky stance that makes them hiss, whisper and shake heads in a futile attempt to shut me up and their holier-than-thou attitude they assume when I call them out for the bitches and whores that they are. To think that I believed that woman are generally more than vapid cunts obsessed with phallic objects, sweets and money. These are the rule, the normality, not the exception. There is little that will turn you into a misogynist faster and more effectively than a day in any Western school, sitting in classes made up of a majority of shallow sluts. For the sake of mankind’s sanity, which lies in the male sub-species, I hope, I think, I pray that there isn’t.

But that episode was only the beginning of my personal D-Day. The next stop en route to failure was the election. No, not the state election in NRW (that’s on the 9th) or the UK general elections (although the outcome of these is shit too). Approximately a year before we actually take our exams, the administration makes us choose what we are going to take our exams in, much before we know for a fact what our proficiencies are. One half of the deed is already done when you decide on your “performance courses”, simply the advanced version of a subject you had before. They inevitably become part of your Abitur. Now you have to choose two more subjects to be examined in.

At the end of the process, you’ll have two advanced and six basic courses, PE included, and unless you were a magnificent bastard like me, most likely you’ll write tests in all of the subjects to the tune of about 30 tests a year. The process is subject to so many rules, exceptions and desired results that by the time the election ends, nobody, not even the most ambitions of faggots among us had any idea just what was going to happen to them in a year’s time.

You didn’t need Mystic Eyes of Death Perception to see the wallowing despair and confusion emitted by the anguished masses around you (although I wouldn’t have minded having them regardless). The anger at people who disturbed them in a valiant but ultimately futile effort to understand what even those who delivered the content that was to be understood did not. It was tangible and lucid. The upheaval of emotions happening anually led to a hailstorm of people throwing themselves into the percieved warmth of the weekend and the strong arms of alcohol and whatever drugs in circulation at the time. Or at least, that’s what I percieved, what I believed would happen at that moment.

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