Das Problem mit PI
Ich bin so eine Art politisch inkorrekter Hipster. Das soll heißen; Ich hab pi-news.net schon besucht, da war dieser Nexus der “Islamkritik” noch ein Blog auf Myblog.de.
Damals war PI wenig mehr als ein News-Aggregator. Meiner Erinnerung nach haben sie auf die Webseiten kleinerer Zeitungen verlinkt, wenn diese einen Polizeibericht, der von Gewalttaten von “Südländern” oder “Jugendlichen” berichtete abgeschrieben haben. Ein redundantes Anliegen, aber ein legitimes.
Das Problem war damals schon eine meiner Meinung nach falsche Sicht von Ursache und Wirkung. Für PI ist Gewalt durch muslimische Jugendliche ein Anzeichen für radikalen Islam und Deutschfeindlichkeit. Aber was gewalttätige Ausländer mit ihren inländischen Konterparts gemeinsam haben, ist: Sie sind beide Unterschicht. Und Unterschicht begeht Verbrechen. Sie hat nichts zu verlieren, wie die Mittelklasse – oder zumindest, wie die Mittelschicht glaubt, dass sie es hat – aber auch nicht die Ressourcen der Bessergestellten, mit ihren Taten davon zu kommen. Dies ist die primäre Ursache ihrer Bereitschaft, zu stehlen und zu morden, aber auch ihrer Anfälligkeit gegenüber Gewaltpredigern. Im Nahen Osten ist der selbe Effekt zu beobachten. Insurgents und Selbstmordattentäter sind die, die bereits alles verloren haben, die gemäßigten Muslime sind meistens die besser gebildeten, besser situierten Mitglieder ihrer respektiven Gesellschaften. Zumindest ist das mein Eindruck.
Schon damals zeichnete sich ein Problem ab, das PI später noch verfolgen würde – man glaubte, rebellisch zu sein, sich gegen soziale Konventionen und Tabus zu stellen. Zu keinem Zeitpunkt war das korrekt. “Islamkritik” nach PIs Interpretation dessen war niemals salonfähig; Das heißt, man findet sie nicht unter den von den ‘kleinen Leuten’ isolierten Vertretern der Medien und Publizisten, aber sie ist immer populär, wenn nicht gar populistisch. Die meisten Deutschen haben Angst vor kriminellen Ausländern und viele würden sie gerne entfernt sehen. Auf den Wahlzetteln schlägt sich das jedoch nicht nieder, weil es keine Partei im deutschen Parteiensystem gibt, die das vertritt, ohne nicht mit sich ein Bündel von unakzeptablen anderen Ideen mitzubringen. Die NPD zum Beispiel wird nicht gewählt, weil sie die Uhr zurückdrehen und Deutschland international isolieren möchte, politisch und wirtschaftlich. Nordkorea dürfte das Endstadium der Auswirkung von “nationaldemokratischer” Politik darstellen.
Seitdem hat sich PI verändert, und Position zu vielen politischen Themen bezogen. Es beschreibt sich selber als “Proamerikanisch · Proisraelisch · Gegen die Islamisierung Europas · Für Grundgesetz und Menschenrechte”. PI hält die EU für den Versuch eines totalitären Regimes, den Klimawandel für einen Schwindel, die arabische Revolution für Islamisten, Occupy Wall Street für Marxisten, Protestler in PIGS-Staaten für chronische Faulenzer. PI bezieht offen Stellung auf Seiten von Republikanern und Tea Party, betet Ronald Reagan und Glenn Beck an und vertritt quasi-libertäre Positionen. Das Dilemma: Selbst wenn es PI gelingen sollte, sich von dem Vorwurf des Rassismus frei zu machen und ihre Art der “Islamkritik” salonfähig zu machen würde es sich in einem Klima vorfinden, indem das Gros der Bevölkerung sich mit seinen Idealen nicht identifizieren könnte und in allen anderen Belangen immer noch schlicht und ergreifend falsch liegen würde.
Manche von PIs Autoren und Kommentatoren mögen vernünftige Leute sein, aber ihr Fahrwasser ist infiziert. PI ist ein Gottesgeschenk für Lobbyisten aller Art, die dort ungestört astroturfing und viral marketing im Namen einer falschen Freiheit betreiben können. PI und seine Leser werden jeden auf ihr Schild stellen, der oder die sich mit seinen beschränkten Interessen identifiziert oder seine Abneigungen teilt, ganz gleich ob deren anderen Belange komplett inakzeptabel sind oder sie sich gar nicht um PIs Jünger scheren. PI reflektiert nicht, PI passt die Erkenntnisse einem vordefinierten Weltbild an, nicht andersrum.